I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII

P r o j e k t b e s c h r e i b u n g

 Folder Seite 9

Folder ansehen?

HISTORISCHE BETRACHTUNG

Der Todsündentisch des Hieronymus Bosch


V. Dat. Zw. 1450 –1516
Maße: 120 x 150 cm
Technik: Öl auf Holz 
Standort: Madrid, Prado


Seine Tafelmalerei ist der erstmalige Eingang des Themas der Todsünden in die großflächigen Gemälde. Der „Todsündentisch“ des H. Bosch steht am Anfang der Entwicklung der Tafelmalerei, gleichzeitig stellt er ihren Höhepunkt in seiner Zeit dar. Die nachfolgenden niederländischen Tafelgemälde stützen sich auf die Arbeit des H. Bosch.

Bosch bedient sich einer Radstruktur zur Darstellung der 7 Todsünden. Doch kreisen sie bei Bosch um einen zweiten inneren Zirkel, in dem sich Jesus Christus befindet, der seine Wunden präsentiert. Diese kompositorische Anlage interpretiert Gibson als symbolische Verbildlichung des Göttlichen Auges. Hierzu zitiert er den Theologen Nikolaus von Kues, der das Auge Gottes als Spiegel der Welt beschreibt, in dem der Betrachter seine Seele sieht. Ist diese rein, ist der  Spiegel klar, ist sie jedoch von der Sünde entstellt, 
wird der Betrachter nur diese im Bild erkennen. Diese 
Deutung wird auch durch die lateinische Inschrift des inneren Kreises bestätigt, wo man lesen kann „Cave, cave, Dominus videt“.


Das, die Christusszene umgebende, Strahlenband suggeriert tatsächlich in seiner Form eine menschliche Iris. Die TS im äußeren Kreis erscheinen in sieben Einzelszenen. Sie werden durch Säulen voneinander 
getrennt. Auffallend sind die sorgfältig ausgearbeiteten Außen- und Innenräume. Landschaftliche Elemente werden nicht nur angedeutet, sondern lokalisieren das Geschehen und ordnen es in ein spezifisches Milieu ein. So wird der Zorn in einem bäuerlichen Milieu vor einem 
redgedeckten Bauernhaus präsentiert. Der Stolz zeigt sich dagegen in einem bürgerlichen Innenraum, während die Wollust in einer höfischen Gesellschaft in einem Garten verkörpert wird. Oberhalb des Kreises in den Zwickeln der Tafel befinden sich kleine Medaillons mit der Darstellung der vier letzten Dinge: Oben links sieht 
man „den Sterbenden“, oben rechts „Das Jüngste Gericht“, unten links erscheint eine „Visio Tondaldi“, Höllendarstellung, und unten rechts 
„Der Aufstieg der Seligen“.


Die Todsündentafel zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass Bosch sich in ihrer Konstruktion direkt auf den Betrachter bezieht. In der durchdachten Anlage geht er explizit auf die Sehweise des Beschauers ein. Hiermit erklärt sich auch die Funktion des Gemäldes, das wohl der Privatandacht des Fürsten gedient haben mag.
Der ursprüngliche Eigentümer ist heute unbekannt, doch
Fray José de Sigüenza erwähnt 1605 Philipp II.

back button

next button